Forstgenossenschaft Tündern

Forstgenossenschaft Tündern










1. Vorsitzender 2. Vorsitzender
Heinrich Albrecht-Lübbe Friedrich Tuckfeld
Tiefe Str. 1
31789 Hameln / Tündern
Tel. 05151/29636
   
weitere Vorstandsmitglieder  
Friedrich-Wilhelm Kropp jun.
Björn Leiseberg
 
   
   



Der Tündernsche Wald

Ob Besucher oder Neubürger, manch einer wird erstaunt nachgefragt haben, als er das erste Mal vom "Tündernschen Wald" hörte.

Wiesen und Ackerflächen umgeben den Ort Tündern von fast allen Seiten und verstärken den Eindruck einer typisch ländlichen Gemeinde des Weserberglandes. Ganz in der Nähe des Wahrzeichens von Tündern, der Windmühle, umschließt der Weserdamm die Ortschaft. Kiesgruben mit Baggern und Förderbändern bestimmen das Landschaftsbild, wenn man sich dem Ort aus Richtung Hameln nähert. Schließlich ist da noch das blaue Band der Weser, welches die Atmosphäre dieses sympathischen Ortes in einer ganz besonderen Art beeinflusst.

Bei dieser Beschreibung fragt sich der Besucher, wo soll denn da der Wald von Tündern sein? Aber, es gibt ihn tatsächlich: In südöstlicher Richtung, vom Bückeberg über den Hellberg bis zum Walterberg, erstreckt sich über 3 km Länge mit rund 188 ha der ursprüngliche Teil des Tündernschen Waldes. Ein zweiter Teil von 28 ha Größe liegt hinter der Ortschaft Völkerhausen. Die Entfernung vom letzten Wohnhaus in Tündern bis zum Waldeingang über der Hellbachbaude beträgt 4 km. Immerhin eine Entfernung, die man nicht so eben einmal zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken auf sich nimmt, um per Pedes in den heimischen Wald zu gelangen. So wird die Strecke - die über eine viel befahrene Landstraße, eine Kreisstraße und eine Gemeindestraße führt - eben nicht selten mit dem Auto, aber von Vielen auch mit dem Fahrrad zurückgelegt. Besonders der letzte Abschnitt hat seinen großen Reiz: Eine für diese Gegend untypische Birkenallee - ehemals im Besitz der Forstgenossenschaft Tündern - schlängelt sich über einige Kilometer vom Vorwerk Ohsen bis zur Waldkante. Ob im Frühjahr mit leuchtendem Grün, im Sommer in das gleißende Licht der Sonne und die wogenden Getreidefelder eingebettet, im Herbst mit goldgelben, schimmernden, vergänglichen Laub oder im Winter mit ihren weitsichtbaren markanten weißen Stämmen: Für den Naturliebhaber ist es immer wieder etwas Besonderes, diese außergewöhnliche Allee zu passieren.

Viele Einwohner Tünderns sind - genauso wie zahlreiche Hamelner Bürger - regelmäßig auf den durch Wald und Flur führenden idyllischen Rundwanderwegen anzutreffen. Durch seine Nähe zur Stadt Hameln ist dieses Gebiet stärker frequentiert als viele benachbarten Forsten.


Die Tiere des Waldes

Das große zusammenhängende Waldgebiet, in dem sich der Tündernsche Wald einfügt, ermöglicht es seltenen Tierarten wie der Hohltaube, dem Kolkraben, dem Schwarzspecht, dem Uhu und sogar der Wildkatze in einer Gastrolle ihren Fortbestand zu sichern.

Das Rehwild fühlt sich als Hauptwildart in den abwechslungsreichen Waldbeständen besonders wohl und pflanzt sich entsprechend fort. In den üppigen Naturverjüngungen des Laubwaldes ist es für den Spaziergänger kaum wahrnehmbar und für den Jäger oft nur schwer zu bejagen. Es bereitet manchem Waldbesitzer Sorgen und Kosten, wenn die jungen Pflanzen durch den Verbiss der Rehe Schaden nehmen.

Das Schwarzwild hat sich in den letzten Jahren explosionsartig vermehrt. Der reich gedeckte Tisch in der Feldmark, aber auch die ungewohnt starken und häufigen Buchen- und Eichenmasten (Bucheckern und Eicheln) führen dazu, dass die Muttertiere häufiger und zahlreicher Nachwuchs bekommen als in früheren Jahren - weniger zum Leidwesen der Förster und Jäger als zum Nachteil der Landwirte, die sich um ihre Feldfrüchte berechtigte Sorgen machen. Anderes jagdbares Wild - Kaninchen und Fasane - sind kaum noch vertreten und Befürchtungen, dass die Bestände bald gänzlich niedergegangen sind, scheinen berechtigt. Der eiserne Bestand beim Hasen hält sich tapfer und wir wünschen uns, dass es so bleiben möge oder besser werde!

Die geschilderten Negativtrends bei unserem Niederwild, vom Hasen über das Rebhuhn bis hin zum Kaninchen, haben viele unterschiedliche Ursachen und machen bei vielen anderen Tier-, aber auch Pflanzenarten des Waldes und der freien Landschaft - als Beispiele seien die Schmetterlinge und Orchideen genannt - nicht halt.

Man sollte meinen, dass nach dem Aussterben von Wolf und Bär dem Menschen im Wald keine Gefahr mehr droht. Leider ist es anders! In den letzten Monaten und Jahren sind viele Forstleute, Jäger und Wanderer an Borreliose erkrankt. Der Biss einer Zecke kann zu einer solchen Infektion führen. Zu spät, falsch oder ungenügend behandelt nimmt diese Krankheit unter Umständen einen bedrohlichen Verlauf. Allen "Waldnutzern" sei zur erhöhten Aufmerksamkeit geraten!

Wie auch in der Landwirtschaft kann die Forstwirtschaft immer wieder sprunghafte Entwicklungen bei den Schädlingen beobachten. Besonders der Borkenkäfer verursacht wirtschaftlichen Schaden im Nadelholz und auch die Mäuse, die gerne die Rinde junger Laubholzpflanzen fressen, kosten bei der Vorbeugung oder bei der Schadensbeseitigung viel Geld.

Auch wenn es manchmal anders scheint: Die sogenannten "Neuartigen Waldschäden" (früher auch "Waldsterben" genannt), zurückzuführen auf die Schadstoffbelastungen von Wasser und Luft, machen dem Nadel-, aber zunehmend auch dem Laubholz stark zu schaffen.


Die Bäume des Waldes

Die Hauptholzart und damit der "Brotbaum" ist die Buche, die als Stammholz in den Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ihren Absatz über die Fa. Laubholz Meyer in Hameln-Hastenbeck gefunden hat. Schwächere Sortimente finden ihre Abnehmer in der Industrie oder - in der letzten Zeit stark zunehmend - bei den Privatleuten, die ihre eigenen vier Wände damit beheizen. Eine unerwünschte Kernbildung bei der Altbuche, deren Ursache auch umweltbedingt sein dürfte, lässt aber Absatzprobleme und wirtschaftliche Einbußen erwarten.

Die Fichte ist zur Problemholzart in der Forstgenossenschaft Tündern geworden. Auf den guten Böden beginnt sie früh zu faulen, sie ist sehr sturmempfindlich und damit auch besonders anfällig gegenüber den Borkenkäfern. In größerem Umfang werden diese Bestände - derzeit langsam in Laubmischwälder umgewandelt. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass aus der Europäischen Gemeinschaft, dem Bund und dem Land Niedersachsen erhebliche Mittel zur Unterstützung dieser Maßnahmen fließen.

Damit ist das Laubholz wie Ahorn, Esche und Kirsche auf dem Vormarsch. Wenn wir dabei die Lärche und die Fichte nicht ganz aus den Augen verlieren, wird die Forstgenossenschaft Tündern in Zukunft sehr flexibel mit einem bunten Angebot von Holzarten und Sortimenten auf die Wünsche des Marktes reagieren können. Das standörtliche Potential - fast ausnahmslos Böden mit einer guten bis sehr guten Nähstoffversorgung bei optimalen Niederschlags- und Temperaturverhältnissen - wird sinnvoll ausgeschöpft. Waldstandorte mit dieser Wuchskraft gibt es in Niedersachsen nur zu einem sehr geringen Prozentsatz!

Verwaltung und Bewirtschaftung des Waldes

Der Tündernsche Forst ist im Besitz einer Genossenschaft, der Forstgenossenschaft Tündern. Er gehört 67 Anteilsinhabern mit 200 Anteilen und ist nur ideell geteilt, alles gehört damit allen gemeinsam. Aufgrund der Weitsicht von Vorstand und Mitgliedern, bedingt durch die sehr gute wirtschaftliche Ausgangslage und des guten Verhältnisses mit der benachbarten Domäne Ohsen, konnte sich diese Forstgenossenschaft durch Ankäufe um einige Hektar ehemaligen Domänenlandes vergrößern und ihren Besitz abrunden.

Während die Vorstände der Forstgenossenschaften die geschäftlichen Fragen eigenständig regeln, steht für die forstliche Betreuung der genossenschaftlichen Waldgebiete die Niedersächsische Landesforstverwaltung seit vielen Jahrzehnten unter Vertrag. Nach den Vorgaben des Niedersächsischen Waldgesetzes und ergänzender Rechtsgrundlagen wird der Genossenschaftswald von Afferde bis Heyen derzeit vom Niedersächsischen Forstamt Saupark mit der Revierförsterei Börry betreut. Das Verhältnis der Tündernschen Forstgenossen zu "ihrer betreuenden Behörde", besonders aber zu den jeweiligen amtierenden Dienstelleninhabern, ist traditionsgemäß sehr vertraut und herzlich.

So ist auch der Umgang der Forstgenossen mit ihrem Wald in vieler Hinsicht vorbildlich. Gepflegte Waldbilder und ein großzügiges Wegenetz sprechen ihre eigene Sprache. Die Hellbachbaude, eingebettet in lichten Eichen- und Buchenbeständen - ein idealer Ort zum Ruhen, Rasten und Feiern - ist weit über die Kreisgrenzen bekannt. Eine kleine Stammmannschaft von eigenen Waldarbeitern erledigt die Arbeiten im Tündernschen Wald und in den benachbarten Forsten. Diese Einsatzweise von Fachkräften (gelenkt durch den Revierleiter der Revierförsterei Börry) - als "Model Tündern" bekannt - garantiert zum einen Arbeitsplätze für mindestens zwei Familienväter und zum anderen ein durchweg hohes Niveau an Pflege und Ertrag der beteiligten Forsten.

Die Nachbarschaftsverhältnisse sind vielfältig und partnerschaftlich. Im Norden umgibt den Wald von Tündern eine lange Grenze zur Feldmark, deren Ländereien größtenteils zur Domäne Ohsen gehören.

In allen anderen Richtungen stößt der Tündernsche Forst an andere Waldbesitzer, vielfach ebenfalls Forstgenossenschaften, aber auch Kleinprivatwald.

Die Entwicklung der Menschheit im mitteleuropäischen Raum ist untrennbar mit dem Wald verbunden. Nahrung, Kleidung, Wohnung, Möbel - alles garantierte der Wald. Das Wichtigste war aber für viele Jahrtausende die aus dem Wald gewonnene Energie in Form von Holz, die man benötigte, um sich zu wärmen und die Nahrung sinnvoll aufzubereiten. Ohne das Holzfeuer wäre ein Überleben in unseren Regionen nicht möglich gewesen.

Noch vor tausend Jahren waren weite Teile Mitteleuropas ganzflächig mit Wald bedeckt. Man sagt, dass ein Eichhörnchen aus dem Norden Dänemarks bis zum Alpenrand hätte gelangen können, ohne einmal den Erdboden zu berühren.

Als die Ortschaft Tündern sich damals zu entwickeln begann, dürfte der Wald sich mit seinem urwaldähnlichen Gefüge bis an die Siedlungen erstreckt haben. Unter strenger Bewachung wurde das Vieh zur Mast in den Wald getrieben (Hutewald). Laub, Nadeln und die Humusschicht verwendete man zur Einstreu des Viehes im Stall (Streunutzung). Das Holz wurde in Tündern als Brennholz und zum Bauen von Häusern und Möbeln gebraucht, aber auch für Weidepfähle, Werkzeug, Geschirr und vieles mehr.

Die vielfältige Art der Nutzungen veränderte auf Dauer den Charakter des Waldes. Aus dem Urwald wurde der Mittelwald, der sich im Wesentlichen aus den Stockausschlägen (Reiser aus den verbliebenen Stubben) erneuerte. Die Viehweide verhinderte den Aufwuchs junger Pflanzen und die Streunutzung ließ den Boden verarmen. Großflächige Rodungen schafften Äcker und Wiesen und reduzierten den Anteil des Waldes in unserer Landschaft.

Zum Ende des Neunzehnten Jahrhunderts erkannte man die Risiken dieser Wirtschaftsformen und ging zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung über. Gesetze regelten die Waldnutzung und schränkten die Rodungen drastisch ein. Das Vieh wurde auf Wiesen und Weiden getrieben und zur Einstreu verwendete man Stroh. Der Wald konnte sich regenerieren, indem sich der Samen der Bäume zu jungen, kräftigen Pflanzen entwickelte. Mehr und mehr wurde mit angezogenem Pflanzgut aus Baumschulen nachgeholfen. So entstanden Monokulturen, eintönige Waldbestände aus Fichten und Kiefern, die eine hohe Holzproduktion erwarten ließen. Die Risiken - wie z.B. die Anfälligkeiten gegenüber Sturm, Schnee und Schädlingen - erkannte man erst Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Die katastrophalen Auswirkungen des Jahrhundertorkanes vom 13.11.1972 gaben Anlass, die Bewirtschaftung des Waldes neu zu überdenken. Es wurden Konzepte entwickelt, die es jetzt ermöglichen, in weiten Teilen unseres Landes wuchskräftige Mischwälder mit hohem ökologischen Wert heranzuziehen.

Die Bedeutung des Waldes hat sich in der Neuzeit gewandelt ohne den elementaren Charakter verloren zu haben. Der zivilisierte und aufgeklärte Mensch ist sich bewusst, dass der Wald über seine Funktion als Rohstofflieferant hinaus mit seinen Wohlfahrtswirkungen und Sozialfunktionen nicht wegzudenken ist.

Probleme des Waldes und unserer Gesellschaft

Im Tündernschen Wald ist es in den warmen Hochsommertagen besonders gut zu erahnen, welchen Einfluss der Wald auf das Klima hat. Ist es in der freien Landschaft unerträglich heiß, bietet der Wald angenehme Abkühlung. Man muss nicht Wissenschaftler sein, um sich der Funktion der Wälder dieser Erde in Sachen Temperaturausgleich bewusst zu werden. Die drohende Überwärmung, auch als Treibhauseffekt bekannt, wird nicht nur durch diesen Umstand gebremst. Jede Pflanze verbraucht bei der Assimilation Kohlendioxyd (eines der bedrohlichen "Treibhausgase") und setzt gleichzeitig Sauerstoff frei. Global spielen neben dem Meeresplankton die Wälder dabei eine große Rolle. Zusätzlich wird Kohlendioxyd in Kohlenstoffe umgewandelt und im Holz langfristig konserviert. So können diese Stoffe, die beim Verbrennen der fossilen Energien (Erdöl und Erdgas) freigesetzt werden, vom Wald teilweise aufgenommen und eingelagert werden. Neben der Produktion von Sauerstoff dient der Wald also auch als Filter zur Säuberung unserer Luft.

Darüber hinaus ist es auch sein Einfluss auf unser Wasser als lebenswichtiges Element, der den Wald für uns unverzichtbar macht. Niederschläge werden vom Wald aufgenommen, gereinigt, gespeichert und langsam an das Grund- und Oberflächenwasser wieder abgegeben. So steht es uns lange als Trink- und Brauchwasser zur Verfügung. Die weltweiten Flutkatastrophen der vergangenen Monate und Jahre zeigen auch, dass durch das Schwinden der Wälder wichtige regulierende Kräfte verloren gehen.

Der Verlust von Wäldern ist zwar nicht nur in den Entwicklungsländern zu beklagen. Dort ist er allerdings besonders schmerzvoll, weil er hier in seiner ursprünglichen Form als Tropen- oder Regenwald nicht zu ersetzen ist. Ein unfassbarer Reichtum an Artenvielfalt, klein- und großklimatische Einflüsse sowie Funktionen des Boden- und Grundwasserschutzes gehen mit jedem Hektar genutzten Waldes für immer verloren. Diese Wälder leben aus ihrem eigenem Kreislauf mit wenig nachschaffender Kraft aus dem Mineralboden. Sind sie einmal gerodet, taugen sie nur wenige Jahre für die Landwirtschaft um dann zu veröden und auszuschwemmen. Subventionierte Aufforstungsprogramme können diese verlorengegangenen Wälder nicht oder nur sehr unzureichend ersetzen.

Auch die sogenannte zivilisierte Welt hat einen hohen Landschaftsverbrauch. So werden jeden Tag in Deutschland für Industrie, Straßen und Wohnungen hundert Hektar benötigt.

Begleitet werden die existenzbedrohenden Eingriffe durch eine zunehmende Entfremdung des Menschen zur Natur. Während die Tündernschen Bürger - sei es als Besitzer oder Erholungssuchende - interessiert und kritisch am Leben des Waldes teilhaben, lebt ein Großteil der Menschheit in den Ballungszentren dieser Welt in großer geistiger und körperlicher Ferne von den nächsten Waldgebieten. Es wird sicher eine große Herausforderung und für die Industriestaaten eine Verpflichtung sein, bei diesen Menschen, die nicht selten in großer Armut leben, nicht nur Verständnis für die Bewältigung der globalen Umweltprobleme zu wecken, sondern auch zu helfen, ihnen ihre menschenwürdige Lebensbedingungen ohne die Zerstörung ihres Lebensraumes zu ermöglichen.

Wie sehr der Mensch in einem Teufelskreis lebt, kann an folgendem Beispiel aufgezeigt werden: Nur ein Viertel der Süßwasserreserven ist im Grund- oder Niederschlagswasser gebunden. Der größere Teil ist in den Gletschern (in Arktis und Antarktis), aber auch in den Hochgebirgen fixiert. Durch die Erwärmung unserer Erde werden diese Ressourcen abgebaut. Die Folge ist einfach nachvollziehbar: Es steigt der Meeresspiegel. Im Inland führen die Flüsse Unmengen Gletscherwasser ab, um dann in wenigen Jahrzehnten von den Gletschern nicht mehr gespeist zu werden. Die Pegel sinken dauerhaft und damit der Grundwasserspiegel, auf dessen Höhe die Wälder einerseits Einfluss haben, andererseits aber auch entscheidend angewiesen sind. Die Perspektive: Die Wälder werden weiter kränkeln und zunächst partiell aus unserem Wahrnehmungsbereich verschwinden. Über kurz oder lang werden wir aber den Verlust riesiger Waldgebiete global erkennen. Dann wird das Grundwasser immer schneller und immer stärker sinken, das Klima wird sich mehr erwärmen, weiteres Gletschereis wird schmelzen und der Teufelskreis dreht sich weiter und weiter. Leider werden die Hinweise auf die katastrophalen Auswirkungen heute nur von wenigen Menschen ernst genommen und die, die nicht aufhören, das Problem publik zu machen, stehen zudem häufig unter kaum auszuhaltenden Anfeindungen.

"Der Mensch geht mit dieser Welt um, als hätte er eine zweite im Kofferraum!" Dieses Zitat von Jane Fonda umschreibt eindrucksvoll die Wertschätzung der Menschheit gegenüber der Natur. Es ist eine Umkehr im Denken und Handeln erforderlich, wenn unsere existentiellen Lebensgrundlagen erhalten bleiben sollen.

Die Chancen für die Zukunft

Um bereits regional diesen negativen Entwicklungen entgegenzusteuern, wird in den Landesforsten Niedersachsens seit 1991 die Bewirtschaftung des Waldes nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtet. Heute "brüllt" der "Löwe" (Langfristige ökologische Wald-Entwicklung) in den Waldungen des Fiskus und viele private und genossenschaftliche Besitzer sind dabei, sich anzuschließen. Dieses von der Landesregierung beschlossene Programm soll neben der bereits seit vielen Jahrzehnten funktionierenden nachhaltigen Nutzung (es wird nur das dem Wald entnommen, was wieder nachwächst) die Gestaltung vielfältiger Lebensräume, die Verwendung standortgerechter Holzarten, die Bevorzugung natürlicher Verjüngungen, die ökosystemverträgliche Waldbewirtschaftung und vieles mehr garantieren. Waldbesitzer, die ihren Wald nach diesen Grundsätzen bewirtschaften, können ihren Wald zertifizieren lassen. Stumme, aber markante Zeugen dieser zukunftsorientierten Waldbewirtschaftung sind allerorten die sogenannten "Tothölzer" (abgestorbene Einzelbäume), die nicht mehr entnommen werden, um dem natürlichen Kreislauf zur Verfügung zu stehen.

Angesichts der bekannten weltweiten Probleme ist eine solche regionale Bewirtschaftung vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese Vorgehensweise trägt aber bereits große Früchte, grenzt sich stark vom Raubbau anderer Wälder ab und findet ihre Nachahmer.

Die Sicherung von natürlichen Ressourcen bedarf umfangreicher finanzieller Mittel. So paradox es klingen mag: Erfolgreicher Umweltschutz ist eng mit einer funktionierenden Wirtschaft verbunden. Die reiche westliche Welt - und damit auch jeder einzelne Bürger - trägt eine zentrale Verantwortung mit großer Vorbildfunktion.

Zum tausendjährigen Bestehen der Ortschaft Tündern ist Anlass zur herzlichen Gratulation. Es ist Grund zur Freude, aber auch zur Besinnung, zum Rückblick und zur Vorschau. Der Wald der Forstgenossenschaft Tündern ist aus unserer Landschaft sowie der geschichtlichen und zukünftigen Entwicklung Tünderns nicht wegzudenken, denn die heimischen Wälder sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Naturhaushaltes unserer Erde. Wenn wir diese Welt für uns und unsere Kinder erhalten wollen, ist es ein erster und wichtiger Schritt, den Wald der Tündernaner zu achten und zu pflegen als ein Sinnbild für Tradition und Fortschritt im Einklang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen.

Karl - Heinz Strohmeyer, Förster im Tündernschen Wald seit 1978